Allgemein · Literarisches

[GEDANKEN] Make old books great again!

 

Ich bin nun seit einigen Monaten in der Bookstagram-Community unterwegs und mein Blog ist mittlerweile seit zwei Wochen online. Ich habe in dieser Zeit ganz bezaubernde Bekanntschaften gemacht und mir geht jedes Mal aufs Neue das Herz auf, wenn ich sehe, mit wie viel Hingabe und Leidenschaft manch einer seine Liebe zur Literatur zum Ausdruck bringt. Es ist ein schönes Gefühl, zu wissen, dass man nicht die einzige Person ist, die es liebt, durch das Lesen in fremde Welten einzutauchen und sich damit kleine Auszeiten vom Alltag zu gönnen.

Doch wo Sonne ist, da ist bekanntlich auch Schatten und deswegen möchte ich mit diesem Blogpost auf eine Sache oder eventuell sogar auf mehrere Dinge aufmerksam machen, die mir als Buchblogger in dieser Community ein wenig widerstreben.
Egal, ob morgens mit einer Tasse Kaffee beim Frühstück, nach Feierabend oder am Wochenende, gemütlich in den Sessel gekuschelt – den Newsfeed bei Instagram durchzuscrollen ist für mich zu einem Bestandteil meines Tages geworden. Ich erfreue mich jedes Mal daran, wie gegenwärtig Literatur bei vielen Menschen im Alltag ist, wie liebevoll Manche ihren buchigen Content aufbereiten. Doch je mehr ich mich als Buchblogger in der Community bewege, umso mehr stelle ich fest, dass die Currentlyreadings vieler Buchblogger nahezu ausschließlich brandaktuelle Bücher sind, die oft erst wenige Tage im Buchhandel erhältlich sind. Generell habe ich den Eindruck, dass man auf Instagram nur wirklich Fuß fassen und einen erfolgreichen Account (was auch immer das bedeuten mag) präsentieren kann, wenn man nicht von dieser unausgesprochenen Übereinkunft abweicht, topaktuelle Literatur zu konsumieren.
Mit dieser Aussage möchte ich weder jemanden angreifen noch in eine Schublade stecken und ebenso möchte ich damit auch nicht zum Ausdruck bringen, dass ich nicht auch der ein oder anderen Neuveröffentlichung entgegenfiebere und es oft kaum erwarten kann, den druckfrischen Roman meines Lieblingsautors in den Händen zu halten. Vielmehr stelle ich mir die Frage: Warum ist das so? Warum ist es so beliebt, aktuelle Neuerscheinungen – oft ungeachtet des eigenen präferierten Genres – zu lesen und damit gleichzeitig so viele Bücher von Beginn an von der eigenen Leseliste zu streichen? Um es in der Sprache von Instagram auszudrücken: Wieso werden an Bilder, die ein aktuelles Buch abbilden, mehr Herzchen verteilt als an Aufnahmen, die einen Top-Thriller von vor drei Jahren präsentieren?

Meine Intention ist es nicht, irgendjemanden für irgendwas zu verurteilen, ich möchte schlicht und einfach darauf aufmerksam machen, dass Bücher nicht ihren Charme oder Sonstiges verlieren, nur weil sie nicht mehr in den Vorschau-Katalogen der Verlage abgedruckt werden. Den Druck, der uns durch Social Media aufgetragen wird, nämlich immer auf dem neuestem Stand, immer up-to-date sein zu müssen, müssen wir nicht auf unser Leseverhalten übertragen. Mit meinem Buchprojekt LITERALLYKLASSIK versuche ich genau diesem Trend entgegenzuwirken. Ich möchte älteren Büchern, in diesem Fall Klassikern der Weltliteratur, den Raum geben, den sie verdient haben. Ich möchte, dass sie gelesen werden und dass über sie gesprochen und diskutiert wird – kurz: Dass sie nicht in Vergessenheit geraten! Natürlich nicht nur innerhalb dieses Buchprojekts, sondern generell. Auf meinem Blog werdet ihr nicht nur Rezensionen zu Neuerscheinungen lesen können Ich lese und rezensiere ungeachtet des Erscheinungsdatums des Buches.

Und damit wären wir schon bei meinem nächsten Anliegen, auf das ich noch zu sprechen kommen möchte. Dank InstaStories ist es Buchbloggern mittlerweile ganz einfach möglich, ihren Followern die neu erworbenen Bücher zu präsentieren. Ich schaue mir das gerne an, denn seien wir ehrlich – Jeder Buchfreund ist neugierig und kann bestenfalls bei den sogenannten Unboxings noch Schätze für sich selbst entdecken. Doch was mir bei diesen Unboxings zunehmend auffällt, ist Folgendes: Es sind vorwiegend fabrikneue Bücher, die ge-unboxed werden.
Ich für meinen Teil kann gar nicht sagen – abgesehen von den drei Büchern für mein Buchprojekt – wann ich zuletzt Bücher in der Buchhandlung gekauft und damit den vollen Kaufpreis gezahlt habe (ausgenommen Literatur für das Studium). Es muss Jahre her sein. Tatsächlich kaufe ich meistens gebraucht. Und das tue ich nicht, weil ich geizig bin oder dergleichen, sondern schlicht und einfach, weil ich gebrauchte Bücher (in sehr guten bis maximal gutem Zustand) für vollkommen ausreichend erachte. Ein Buch erhält – wenn der Leser sorgsam damit umgeht – keinen Qualitätsverlust, nur weil es jemand schon einmal gelesen hat.
In diversen Foren und Gruppen von Buchbloggern lese ich oft Sätze wie „Oh, ihr macht mich arm! Ich musste mir dieses Buch einfach kaufen, ihr habt mich angefixt!“. Oder „Ihr schwärmt alle von dieser Trilogie, ich habe sie mir nun kurzerhand gekauft, obwohl es geldtechnisch diesen Monat eigentlich gar nicht drin ist.“. Verständlich, wenn man sich überlegt, dass Hardcover-Ausgaben mittlerweile gut und gerne ihre 25 Euro kosten. Und da stelle ich mir die Frage: Muss das sein? Muss man instant in den Buchladen gehen und das Buch druckfrisch erwerben? Woher kommt dieser Druck? Ist das ebenso eine Folge des Drucks, der aus dem sozialen Vernetztsein resultiert? Immer up-to-date sein zu müssen – Immer alles sofort besitzen zu wollen?
Und vor allem – Wieso wird es als Tabuthema aufgefasst, über den Preis von Büchern zu sprechen? Wieso kann man nur schwer öffentlich aussprechen, dass einem ein Buch für den Neupreis zu teuer ist? Und wieso wird daraufhin ausschließlich damit argumentiert, dass das Buch seinen Preis wert sei? Das ist für mich völlig unverständlich. Lesen soll eine Tätigkeit sein, die Spaß und Freude mit sich bringt, die dem Leser zauberhafte Stunden voller Vergnügen beschert und zu keiner Zeit sollte sie irgendeine kompetitive Komponente aufweisen, nicht beim Lesen und auch nicht im Dialog mit anderen Buchbloggern.

Ich persönlich stöbere gerne durch Online-Auktionshäuser und andere Plattformen, die gebrauchte Bücher anbieten oder schlendere auch gerne über den Flohmarkt und freue mich, wenn ich dort ein schönes Buch entdecke. Das hat zur Folge, dass es oft einen längeren Zeitraum in Anspruch nimmt, bis ich ein Buch von meiner Wunschliste erwerbe – Aber das stört mich nicht. Ganz im Gegenteil, ich habe Spaß daran, auf die Suche nach gebrauchten Büchern zu gehen. Keine Frage: Wenn ich ein bestimmtes Buch unbedingt lesen möchte, kaufe ich mir dieses natürlich – aber in den meisten Fällen werde ich auf Plattformen fündig, die gebrauchte Bücher anbieten. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal deutlich machen: Es ist nichts Schlimmes daran, sich nicht ad hoc eine Hardcover-Trilogie für schätzungsweise 75 Euro leisten zu können oder auch schlicht und einfach nicht leisten zu wollen. Das ist in Ordnung. Das zumindest ist meine Meinung.

Auch, wenn ich darüber nachdenke, welche Rolle ich als Buchblogger einnehme, widerstrebt mir dieser permanente Neubuchkauf ein wenig. Viele Buchblogger sind noch sehr jung, oft noch nicht volljährig und damit ist der Buchkauf aller Voraussicht nach an das Taschengeld gekoppelt. Und ehrlichgesagt weiss ich nicht, ob ich junge Buchblogger dazu animieren möchte, sämtliches Taschengeld für Neubücher auszugeben (gerade bei den derzeitigen Neupreisen von Hardcover-Ausgaben), wenn man sich in den meisten Fällen das gleiche Lesevergnügen auch für einen Bruchteil des Geldes nach Hause holen kann. Auch, wenn ich Betreiberin eines kleinen Buchblogs bin, möchte ich auf dieses Thema aufmerksam machen und Andere dafür sensibilisieren.

Ich hoffe, dass meine Intention hinter diesem Blogbeitrag deutlich geworden ist. Ich kann es nicht oft genug sagen: Ich möchte niemanden für irgendetwas verurteilen, ich möchte auch nicht, dass ab sofort keine Neubücherkäufe mehr getätigt oder keine druckfrischen Romane mehr rezensiert und vorgestellt werden. Das ist nicht meine Absicht. Mein Ziel ist es, mit diesem Beitrag meine Gedanken bezüglich dieses Themas niederzuschreiben und damit der Welt zugänglich zu machen und die Selbstverständlichkeit zu hinterfragen, mit welcher man Neubücher kauft, liest, rezensiert und weiterempfiehlt. In diesem Sinne: Make old books great again! 

 

 

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15 Kommentare zu „[GEDANKEN] Make old books great again!

  1. Hallo Sabrina!

    Ich finde es auch schade, dass in dem meisten Buchblogs nur neue Bücher vorgestellt werden – und das habe ich schon oft mitgeteilt :D. Klar, soll jeder über das schreiben, wozu er Lust hat und wenn jemand eben aktuelle Bücher gerne liest ( nicht weil die aktuell sind, sondern einfach wegen der Story), dann ist das ja auch in Ordnung. Aber ich finde, dadurch wirkt die Buch-Blogger-Welt etwas einseitig. Gefühlte 80% der Blogs die ich kenne, schreiben über New-Age/New-Adult oder Fantasy-Romane. Neu, natürlich. In meinem Reader erscheinen also zu einem neuen Buch wie z.B. The Hate U Give mindestens 20 Rezensionen. Da haben alle, die nach den ersten drei Rezensionen kommen, Pech gehabt, denn ich lese keine 4 Rezensionen zu ein und demselben Buch und schon gar nicht 20. Das muss doch auch ein enormer Druck sein, oder nicht? Aber ich schweife ab….

    Ältere Bücher, es müssen nicht mal alte Klassiker sein, werden kaum vorgestellt. Dabei habe ich selbst die Erfahrung gemacht, dass es trotzdem sehr gut bei den Leuten ankommt, darüber zu schreiben. (An dieser Stelle bin ich mal so frech: Vielleicht willst du ja mal auf meinem Blog vorbeischauen? 😀 )

    Noch zwei letzte Dinge:

    Ich kaufe inzwischen auch fast nur noch gebrauchte Bücher. Ich finde, das hat was, vor allem bei Klassikern! Nur wenn ich eine ganz bestimmt Version möchte, darf es auch mal was neues sein.

    Zu Instagram: Ich glaube, der Erfolg kommt hier nicht nur mit neuen Büchern. Ich kenne etliche extrem Erfolgreiche Konten, die viele alte Bücher in Szene setzen. Ziemlich kunstvoll, immer klassisch und schlicht gehalten. Ich glaube, das ist es was das ganze aus macht: Die Liebe zu den Büchern kunstvoll – nicht künstlich – darzustellen. Und am besten englischsprachig…

    So, jetzt bin ich am Ende!

    Liebe Grüße,
    Pia!

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    1. Liebe Pia,

      vielen lieben Dank für deinen so herzlichen und ausführlichen Kommentar!
      Es freut mich zu wissen, dass ich nicht alleine mit meiner Ansicht bin, dass es eintönig wird, wenn man ausschließlich Rezensionen zu Neuerscheinungen zu lesen bekommt. Deswegen möchte ich die Buchbloggerwelt ein wenig mit Rezensionen, Leserunden und allerlei buchigen Themen zu Büchern fernab der Neuerscheinungen und auch fernab von Fantasy und YA/NA-Literatur bereichern. Ich freue mich, wenn das deinen Geschmack und auch hoffentlich den von anderen Lesern meines Blogs trifft. 🙂

      Liebe Grüße,
      Sabrina

      Gefällt 1 Person

  2. Hallo Sabrina,
    du hast recht, es gibt viele Blogs, auf denen vor allem die aller neusten Bücher rezensiert werden. Ich finde das auch darum schade, weil – wie Pia schon bemerkt hat – es dadurch immer eine kurze Zeit gibt, in der es ganz viele Rezensionen zu einem Buch gibt und danach scheint die Lebenszeit für dieses Buch dann auch schon wieder vorbei zu sein, weil (übertrieben gesagt) eh schon alle darüber geschrieben haben.
    Dabei finde ich es immer sehr schön, über Bücherbloggs auf Bücher aufmerksam zu werden, von denen ich zuvor noch gar nicht gehört habe 🙂
    Persönlich stöbere ich auch viel zu gerne zwischen Gebrauchtexemplaren, Mängelexemplaren oder E-Books, um mich von den allerneusten Neuerscheinungen unter Druck setzten zu lassen.
    Liebe Grüße,
    A. Disia

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    1. Liebe A. Disia,

      ich fühle mich geehrt – herzlichen Dank für deine lieben Worte!
      Ich freue mich, dass du das ähnlich siehst und ich gebe dir vollkommen Recht – Nach Veröffentlichungsdatum eines Buches hat man eine regelrechte Schwemme von Rezensionen über dieses Buch und schon einen Monat später sieht man es nirgendwo mehr auf den Seiten der Buchblogs herumschwirren. Das finde ich auch so schade.
      Und genau deswegen bin ich aktuell – und ich denke da verrate ich noch nicht zu viel – auch wieder an ein paar Ideen dran, die genau zu diesem Buchprojekt passen. Ich lese gerade Emily Bronte mit Sturmhöhe und möchte dazu, neben einer Rezension natürlich, die Thematik in noch weiteren Blogbeiträgen aufbereiten und weitere nette Buch-Infos an die Hand geben. Mehr möchte ich aber auch noch nicht verraten – Ich würde mich freuen, wenn dich das ebenso interessieret und du wieder auf meinem Blog vorbeischaust!

      Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,
      Sabrina

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  3. Hallo,
    ich lese auch gerne Bücher die schon ein paar Jahre alt sind, warte bis sie runter gesetzt sind, weil ich auch nicht immer den Neupreis einsehe. Aber gebrauchte Bücher mag ich tätsächlich nicht, weil ich doch ein bisschen pingelig bin. Dann doch lieber warten bis es günstiger geworden ist und trotzdem „neu“ holen, als dann enttäuscht zu sein, weil jemand eine andere Auffassung von „fast wie neu“ oder „nur leichte Gebrauchsspuren“ hat wie ich. Aber jeder soll das natürlich für sich entscheiden und deinen Post finde ich wirklich vernünftig und gut.
    Liebe Grüße
    Nicole

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    1. Liebe Nicole,

      vielen Dank für deine lieben Worte. Ich verstehe, was du meinst – Ich bin auch immer ein wenig hin und hergerissen, was gebrauchte Bücher betrifft. Ich bin ziemlich pingelig, was Gebrauchsspuren an Büchern angeht, es darf auf gar keinen Fall Leserillen auf dem Buchrücken haben, keine Eselsohren, keine Markierungen usw. Da ist das immer ziemlich schwierig, aber ich habe auch schon gute Erfahrungen damit gemacht.
      Außerdem geht es mir in erster Linie auch darum, dass man Titel liest, rezensiert, bespricht, die nicht mehr in der Aktuellen Verlagsvorschau abgedruckt sind. Man kann immer nur eine bestimmte Zahl an Büchern in dieser Zeit konsumieren und ich finde es immer so schade, wie viele Bücher dadurch – völlig zu unrecht – ignoriert werden. 🙂
      Aber ich freue mich, dass du das ähnlich siehst und auch gerne zu „älteren Büchern“ greifst. 🙂

      Ich wünsche dir einen schönen Sonntag!
      Liebe Grüße,
      Sabrina

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  4. Hallo Sabrina,
    Bin durch diesen Beitrag auf deinen Blog aufmerksam geworden und war sofort begeistert! Du hast mit diesem Beitrag ein Thema angesprochen, das mich auch schon öfter beschäftigt hat.
    Ich bin den meisten Trends/Hypes in der Literaturlandschaft meistens ein paar Monate oder sogar Jahre hinterher. Erst in letzter Zeit beschäftige ich mich mehr damit, was die Bloggercommunity gerade umtreibt. Wenn alle das Gleiche lesen finde ich es schön, sich darüber austauschen zu können. Bei einem älteren Buch steht man dann doch häufig alleine da. Aber wie Pia schon meinte, lese ich auch nicht mehr als 2-3 Rezensionen zum gleichen Roman. Und gerade THUG ist ein gutes Beispiel. Ich kam leider nicht dazu, es zu lesen und fand es etwas nervig, dass in meinem Reader fast nichts anderes zu finden war.
    Leider habe ich das Gefühl, dass subtil ein gewisser Druck aufgebaut wird, aktuelle Romane zu rezensieren. Mein Blog ist sowieso nicht besonders populär und Rezensionen zu ein paar Jahre alten Werken bekommen kaum bis keine Klicks. Mische ich mal was Aktuelles darunter, gehen die Zahlen plötzlich hoch. Das geht sicher anderen auch so. Offenbar besteht hier ein größeres Interesse.
    Wer also in der Community mitreden möchte und vielleicht auch den Interessen der Leser entgegenkommen möchte, der landet automatisch bei den gleichen Werken wie alle anderen. Und das muss noch nicht einmal eine bewusste Entscheidung sein.
    Klassiker zu rezensieren finde ich nochmal ein ganz anderes Thema. Durch mein Studium (Germanistik) habe ich den ein oder anderen deutschen Klassiker im Regal stehen (schönen Gruß an Reclam!) und lese auch aus Interesse ganz gerne internationale. Bin ich von einem Werk begeistert, fällt es mir leicht, eine Rezension dazu zu schreiben. Nur wenn ich absolut nichts mit einem Werk anfangen konnte fällt es mir schwer, Kritik zu üben. Es gehört schon sehr viel Mut dazu, beispielsweise Shakespeare zu kritisieren. Ich merke auch, dass teilweise von außen Klassiker mit einem Tabu belegt werden. Im Sommer habe ich über Ein Walzer für mich von Zelda Fitzgerald eine Rezension geschrieben und wurde angesprochen, dass die Rezension jemandem gefallen hätte, OBWOHL es ein Klassiker ist. Dabei hatte ich mich grundsätzlich positiv zu dem Werk geäußert.
    Dass dieses Tabu anscheinend existiert hat mich nachdenklich gemacht. Es ist total schade! Ich finde es schön und wichtig, der Welt mitzuteilen, dass Klassiker mehr sind als Traumata aus der Schulzeit. Außerdem sind auch Klappentexte bei Klassikern häufig wenig hilfreich, immerhin weiß schon jeder, worum es geht. Aber manchmal kennt man vielleicht doch nur den Titel und dann hilft eine Rezension, zu wissen, was einen erwartet.
    Ich glaube, ich bin etwas abgeschweift…. Sorry!
    Liebe Grüße
    (auch) Sabrina

    Gefällt 2 Personen

    1. Liebe Sabrina (als ob ich zu einem Monolog ansetzen würde!),

      es macht überhaupt nichts, dass du dich derart ausführlich meinen Comment-Bereich genutzt hast, ganz im Gegenteil, es freut mich sehr, deinen Kommentar zu lesen.
      Ich hänge mit dem Lesen auch immer etwas (hust) hinterher, aber das finde ich mittlerweile gar nicht mehr schlimm. Ich habe dieses Jahr ganz spontan begonnen zu bloggen und habe mich bei Portalen angemeldet, um Rezensionsexemplare zu erhalten. Ich hätte nicht gedacht, dass das bei meinem Mini-Blog tatsächlich funktioniert, umso faszinierter war ich und musste das unbedingt ausprobieren, ständig. Aber ich habe die letzten Monate auch gemerkt, dass mich das irgendwie stresst, immer „aktuell“ zu lesen und vor allem, irgendwie selbstbestimmt und doch nicht selbstbestimmt. Verstehst du was ich meine?
      Deswegen möchte ich mich mit dem neuen Jahr wieder mehr auf meine „eigenen Lektüren“ konzentrieren und weniger Rezi-Exemplare anfragen bzw. nur diese, die ich wirklich zu 100% auch im Laden kaufen würde. Bei mir trudelten die letzten Tage 2 Neue ein und ich freue mich im Januar wirklich schon sehr darauf.

      Das mit den Klassikern kenne ich. Ich hatte Deutsch Leistungskurs und habe auch Germanistik studiert (Liegt das am Namen?) und muss aber tatsächlich sagen, dass ich es nie als schlimm empfunden habe in meiner Schulzeit, Klassiker zu lesen. Und auch nicht während meines Studiums. Gut, Walter von der Vogelweide, den Iwein oder sonstige mittelhochdeutsche Lektüre zählt jetzt vielleicht nicht zu meinen Favoriten (gewiss nicht), aber im Großen und Ganzen lese ich gerne Klassiker und habe auch vor, diese weiterhin auf meinem Blog zu rezensieren – einfach auch, um Anderen eventuelle Ängste oder Zweifel zu nehmen, die sich vielleicht nicht an die Lektüre trauen. Ich habe über Instagram während ich Sturmhöhe gelesen habe, oft Kommentare erhalten, die ausdrückten, dass man gar nicht verstünde, wie man solch „schwere Lektüre“ freiwillig lesen könne. Und wenn ich nur einer Person aufzeigen kann, dass es keine schwere Kost in altmodischer Sprache ist, wenn nur eine Person einen Klassiker zur Hand nimmt und ihn liest, habe ich mehr erreicht als ich jemals wollte.

      Siehst du, mein Kommentar ist nun auch etwas ausführlicher geworden, ich weiß leider nicht, ob es an unserem Namen oder an unserer Studienwahl liegt – oder an beidem.

      Liebe Grüße und eine schöne Adventszeit,
      Sabrina

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      1. Hallo Sabrina,

        ich glaube, ich verstehe, was du mit selbstbestimmt und doch nicht selbstbestimmt meinst. Man sucht sich ein Rezensionsexemplar aus, weil man es unbedingt lesen möchte und wenn es dann da ist würde man vielleicht doch gerne vorher ein anderes lesen, hat aber den Druck, die Rezension zu einem bestimmten Zeitpunkt schreiben zu müssen. Meinst du das?
        Ich habe auch erst im letzten Jahr angefangen, Rezensionsexemplare zu lesen und muss noch lernen, wie viele ich mir gleichzeitig zumuten kann.

        Wie witzig, dass du auch Germanistik studierst hast. Hat man nicht immer Gemeinsamkeiten mit seinen Namensschwestern? Wir scheinen auch das gleich WordPress-Theme zu haben 😉
        Bei mir kam es in der Schule und im Studium immer auf das Werk selbst an. Grundsätzlich habe ich mich immer gefreut, ein Werk durchzunehmen und habe nie die scheinbar weit verbreitete Abneigung gegen die gelben Heftchen entwickelt. Nur manchmal fehlt mir eben der Zugang (und mittelhochdeutsche Texte sind da bei mir auch ganz vorne mit dabei!). Aber dann liegt das meiner Meinung nach nicht zwingend daran, dass es sich bei den Werken um Klassiker handelt. Auch Neuerscheinungen gefallen den einen und den anderen eben nicht. Genauso ist es doch letztlich auch mit Klassikern. Es ist schade, wie viele gute Bücher verpassen, nur weil manche Werke kategorisch als „zu schwer“ abgestempelt werden.

        Liebe Grüße und noch einen guten Start ins neue Jahr!
        Sabrina

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  5. Finde ich eine tolle Aktion. Bei mir findet man eher selten sofort Neuerscheinungen. Klar, dass kommt vor bei Büchern denen ich lange entgegengefiebert habe und die von meinem Lieblingsautor sind – aber meistens rezensiere ich dann doch ältere Werke und habe damit auch kein Problem mit. Denn ob ein Thriller nun im aktuellen Jahr erschien oder schon vor 2-4 Jahren oder noch älter ist, spielt ja in Bezug auf den Inhalt keine Rolle und manche sind auch thematsich immer noch brandaktuell. Dass auf Instagram diejenigen erfolgreicher sind, die immer die neusten Bücher besitzen ist mir auch schon aufgefallen, aber das ist dort ja leider in allen Bereichen Gang und Gebe. Ich habe da auch oft das Gefühl, dass man nur erfolgreich ist, wenn man sich alles kaufen kann was neu und angesagt ist, was ich etwas schade finde, denn wenn ich an meine Jugend zurückdenke, dann hatte ich nicht das Geld mir immer sofort neue Bücher zu kaufen. Das habe ich auch heute während dem Studium nicht, wo das Geld auch öfters mal knapp wird.
    Deshalb leihe ich mir viele Bücher aus der Bücherei, bin ebenfalls auf Flohmärkten oder Seiten wie Rebuy unterwegs und kaufe viele Bücher gebraucht. Schon alleine deshalb habe ich nicht immer die neuesten Werke. Und ich kommuniziere auch ganz offen auf meinem Blog, dass mir Hardcoverbände für 25 Euro zu teuer sind. Da finde ich auch nichts Schlimmes dran, denn es heißt ja nicht, dass es das Buch qualitativ nicht wert ist, sondern nur das es in meinem Budget nicht drinnen ist und mir auch das Taschenbuchformat ausreicht.
    Bei vielen Bloggern darf man aber auch nicht vergessen, dass sie die Bücher gar nicht mehr selbst kaufen, sondern als Rezensionsexemplar kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen.

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    1. Liebe Nicole,

      du hast vollkommen Recht, bei Thrillern und Krimis ist es wahrlich egal, wann man sie liest. Aber auch hier erkenne ich einen Trend – von seinem Lieblingsautor fiebert man immer der Neuerscheinung entgegen und möchte es direkt am ersten Tag der Veröffentlichung lesen und das steckt oft an, sodass auch hier der Trend dazu geht, immer die aktuellsten Thriller zu lesen. Ich denke da nur an Fitzek oder an Jussi Adler Olsen.

      Aber ich habe mir für das neue Jahr nun vorgenommen, zunächst einige Krimi- und Thrillerreihen, die wir im Bücherregal stehen haben, zu lesen. Mein Freund hat da einige geholt, die ich auch endlich mal lesen möchte. Bis ich da zu den Neuerscheinungen durchdringe, wird noch einige Zeit ins Land gehen.

      Liebe Grüße,
      Sabrina

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  6. Hallo Sabrina,

    meiner Ansicht nach gibt es dafür eine recht einfache Erklärungen: Die meisten Buchblogger beziehen Rezensionsexemplare und da kann man nur neue Bücher anfragen.
    Eine andere Erklärung ist für mich, dass man durch das Bloggen einfach immer auf dem neustem Stand ist. Also ich blogge jetzt seit ein Jahr und so viele Neuerscheinungen wie in diesem Jahr habe ich in all der Zeit vorher nicht gelesen. 😉 Und das liegt daran, dass ich das vorher alles nicht so mitbekommen habe. Und ich tatsächlich auch einfach sehr viel mehr lese als vorher.

    Ich bin da immer so hin und her gerissen. Ja, es nervt mich auch, wenn ich auf zehn Blogs das gleiche Buch sehe. Aber, was soll man machen. Vielleicht neigen einfach jüngere Menschen eher zum bloggen und man findet deswegen mehr New-Age Romane?
    Ich lese wie gesagt schon auch viel neue Bücher, kaufe mir aber die wenigsten neu. Ich habe zum Glück eine sehr gut sortierte Bücherei, die immer schnell mit Neuerscheinungen sind. Ansonsten kaufe ich mir meine Bücher zu 90% auch gebraucht. So viel wie ich lese, könnte ich mir das anders auch gar nicht leisten.

    Ich lese allerdings schon auch viel außerhalb des Mainstreams und kann da für mich nicht bestätigen, dass ich nicht gelesen werden. Ich habe auch einige Bloggerfreundinnen, die völlig andere Sachen lesen als ich und wir kommentieren uns trotzdem gegenseitig. man kann ja auch was Nettes schreiben, ohne das Buch auch lesen zu wollen. (Wenn ich was hasse, dann eh den Satz: „Das ist nicht mein Beuteschema“ – Und dann den Link für den Gegenbesuch dalassen. Also gerade bei Bloggeraktionen.)
    Und ich kenne inzwischen schon auch Blogger, die auch Bücher über schwierige Themen lesen (Krieg zB).

    Liebe Grüße
    Lilly

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    1. Liebe Lilly,

      ich freue mich sehr über deinen ausführlichen Kommentar.
      Vermutlich hast du Recht und es liegt daran, dass man als Blogger ein ganz anderes Leseverhalten hat als wenn man „nur“ Leser ist. Klar, ist man als Buchblogger auch Leser, aber eben nicht nur. Man hat einen ganz anderen Zugang und damit auch eine ganz andere Handhabung von Neuerscheinungen. Ich muss dir zustimmen, bevor ich Buchblogger wurde, haben mich Verlagsvorschauen nicht im Geringsten interessiert und jetzt freue ich mich und fiebere schon den Vorschauen meiner Lieblingsverlage entgegen. Wie sich das in so kurzer Zeit verändern kann.
      Wahrscheinlich wird sich diese einseitige Rezeption von Blogs bei mir auch noch ändern und ich werde nach und nach auch Blogs finden, die Content fernab des Mainstreams posten oder mir eine schöne Sammlung von Blogs zusammenstellen können, auf denen ich nicht 31 Mal eine Rezension zu dem gleichen Buch vorfinden werde. Ich bin gespannt und bin weiterhin optimistisch!

      LIebe Grüße und eine schöne Adventszeit,
      Sabrina

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